Gedanken zur drahtlosen Phantasie

[...] Wir wollen jetzt als Futuristen eines dieser Krankenhäuser für blutarme Töne betreten. Da: Der erste Takt beschert unserem Ohr sofort die Langeweile des bereits Gehörten und einen Vorgeschmack auf die Langeweile des folgenden Taktes. So nippen wir von Takt zu Takt zwei oder drei Sorten von echter Langeweile und warten auf die außergewöhnliche Empfindung, die niemals kommt.

In der Zwischenzeit braut man ein widerwärtiges Gemisch aus der Monotonie der Empfindungen und der dummen religiösen Ergriffenheit der Zuhörer, die in buddhistischer Berauschtheit zum -zigsten Male ihre mehr oder weniger snobistische und einstudierte Exstase wiederholen.

Fort! Verlassen wir den Saal, denn wir können nicht länger unseren Wunsch bändigen, endlich eine neue musikalische Realität zu schaffen, indem wir tönende Ohrfeigen verteilen und Geigen, Klaviere, Kontrabässe und jammernde Orgeln beiseite schieben. Hinaus!

Man kann nicht einwenden, daß das Geräusch nur laut und unangenehm ist. [...]

Luigi Russolo